Wohin entwickelt sich die Fotografie im Zeitalter der Smartphones?

So langsam rüsten sich die Online-Shops und großen Elektromärkte für das Weihnachtsgeschäft und wer sich die Produkte im (digitalen) Schaufenster mal genauer anschaut, sieht an vor allem eine Tendenz: Die modernen Smartphones laufen den klassischen Kompaktkameras, die merklich an Bedeutung verlieren, mehr und mehr den Rang ab. In welchem Tempo vollzieht sich diese Entwicklung und welchen Mehrwert liefern diverse Apps für das Fotografieren mit dem Handy? Diesen Fragestellungen sind wir für euch nachgegangen.

Das Smartphone verdrängt die Kompaktkamera

adobestock_55768438Es ist noch gar nicht so lange her, da erlebten handliche Kompaktkameras einen regelrechten Boom. Endlich konnte man die sperrige Spiegelreflexkamera auch mal zu Hause lassen und erhielt dennoch erstaunlich annehmbare Schnappschüsse. Die Digitalkamera wurde zum unverzichtbaren Begleiter bei Konzerten, Ausflügen und im Urlaub. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Verschiedene Statistiken belegen eindrucksvoll den dramatischen Niedergang der kompakten Digitalkameras. Während im Jahr 2012 laut einer Ermittlung des Instituts für Demoskopie Allensbach noch über 30 Millionen Hobbyfotografen in Deutschland mit einer kompakten Digitalkamera fotografierten und nur knapp 13 Millionen eine Handykamera verwendeten, sah das Bild nur drei Jahre später schon ganz anders aus. 2015 hatten die Handykameras mit mehr als 26 Millionen Nutzern die Kompaktkameras, die nun nur noch bei unter 22 Millionen Anwendern lagen, bereits eindeutig überholt.

Mindestens ebenso bemerkenswert ist eine weitere Statistik, die auf Statista.com veröffentlicht wurde. Sie zeigt die konträre Entwicklung beim Verkauf von Digitalkameras und Smartphones. Im Jahr 2005 etwa gingen noch 7,4 Millionen Digitalkameras in Deutschland über die Ladentheke – richtige Smartphones gab es damals noch nicht. 2010 war das Verhältnis mit 8,2 Millionen Kameras gegenüber 7,7 Millionen Smartphones ungefähr ausgeglichen. Doch schon weitere fünf Jahre später wurden nur noch 3,4 Millionen Digitalkameras verkauft. Demgegenüber standen 25 Millionen Smartphone-Verkäufe.

Im Alltag ist die Handykamera nicht mehr wegzudenken

Geht es um den Gebrauch im Alltag, dann ist die Handykamera ohnehin nicht mehr wegzudenken. Sie eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten, die vorher so nicht denkbar waren. Da das Smartphone ohnehin immer dabei ist, lässt sich mittlerweile praktisch jede Situation spontan fotografisch festhalten. Da ist es kein Wunder, dass auch die Spiegelreflexkamera nur noch zu besonderen Anlässen herausgeholt wird.

Den Rest erledigt die Smartphone-Kamera zuverlässig und in einer stetig verbesserten Qualität, die inzwischen oft sogar besser ist als bei manch günstiger Kompaktkamera. Zudem bringt das Smartphone diverse Features mit sich, die die Kamera nicht zu bieten hat. Direkte Uploads bei den sozialen Netzwerken, das Versenden des frisch geschossenen Fotos per E-Mail oder Messenger an Freunde – all das ist heute für einige fast schon selbstverständlich. Doch das ist noch lange nicht alles, was die Geräte im Hinblick auf das Thema Fotografie können.

Mit der richtigen App zum perfekten Foto

adobestock_88544770„Imaging Unlimited“, das Motto der Photokina 2016, spiegelte sich auch in Form einer speziellen App Arena in einer der Messehallen wieder. Hier zeigten Start-ups und aufstrebende Entwickler ihre neuesten Kreationen in Sachen Smartphone-Fotografie. Zukünftig werden wir also nicht mehr nur mit dem multifunktionalen Gerät Bilder machen, diese durch Instagram-Filter jagen und mit der ganzen Welt teilen, sondern da kommt noch einiges mehr.

Der tschechisch-amerikanische Fotograf Jan Brezina etwa hat mit Fripito eine App entwickelt, die enthusiastischen Reisefotografen in vielerlei Hinsicht Hilfestellung geben soll. So werden besonders tolle Fotolocations beschrieben, Infos zum besten Licht gegeben und lokale Profifotografen geben allerlei Tipps. Dank GPS-Daten findet ihr sicher zum richtigen Ort, wobei auch in der App integrierte Offline-Karten behilflich sind.

In eine ähnliche Richtung geht das Konzept der PhotoPills App. Diese verrät euch, wann der optimale Zeitpunkt für euer perfektes Foto am Ort eurer Wahl ist. Ihr bekommt Informationen, wann die Sonne aufgeht und wann der Mond zu sehen ist und könnt via Augmented Reality-Ansicht sogar die Milchstraße am Himmel verfolgen. Die Anwendung könnt ihr bei iTunes herunterladen, die Version für Android-Geräte soll im Dezember 2016 erscheinen.

Smartphone-Fotos treffen auf VR-Videos

Das US-Startup Sharalike präsentierte auf der Photokina 2016 seine „VR App für Visuelles Erzählen“. Konkret steckt dahinter, dass ihr mit der Anwendung spielend leicht eure selbst geschossenen Smartphone-Fotos in dazu passende Virtual Reality-Videos einbinden könnt. So entstehen ganzheitliche Erlebniswelten, in die ihr komplett eintauchen könnt.

Es ist davon auszugehen, dass Smartphones und Fotografie in den kommenden Jahren noch weiter miteinander verschmelzen werden. Als Nutzer können wir uns höchstwahrscheinlich auf einig weitere lustige und praktische Innovationen einstellen, die uns noch mehr Möglichkeiten eröffnen, etwas mit unseren Handyfotos anzustellen. Ob es in wenigen Jahren überhaupt noch kompakte Digitalkameras zu kaufen geben wird?

Gutes teilen

Über den Autor

Der Halbfinne liebt das Reisen, wobei er als regelrechter Smartphone-Junkie niemals auf sein Mobiltelefon verzichten möchte. Technische Innovationen interessieren ihn nicht zuletzt auch deshalb, weil sie das ortsunabhängige Arbeiten leichter machen.

Weitere Artikel von René Schwarz.

Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*

Ähnliches

zum Shop zum Shop