Tippen statt telefonieren: Wie das Smartphone unser Kommunikationsverhalten verändert

Könnt ihr euch an die Zeit erinnern, als das Mobiltelefon noch in erster Linie ein Telefon war und nicht Fotoapparat, Musikplayer und Navigationsgerät mit der inzwischen eher nebensächlichen Funktion, damit auch telefonieren zu können? Allen voran die kostenlosen Messengerdienste haben in den letzten Jahren für einen radikalen Wandel unseres Kommunikationsverhaltens gesorgt. Das bringt Vorteile und Nachteile mit sich. Eine Analyse.

Anrufen ist out – vor allem unter Jüngeren

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt hat, gingen im ersten Quartal 2016 schon stolze 81 Prozent aller Internetnutzer mit ihrem Smartphone online. Zu den beliebtesten Anwendungen dort zählen Messenger wie WhatsApp oder auch der Facebook Messenger. Über diese Kanäle läuft denn auch der Großteil der Kommunikation heutzutage – insbesondere bei der jüngeren Generation. Je jünger die Nutzer sind, desto eher lässt sich beobachten, dass das klassische Telefonieren regelrecht out ist. So wird ein Anruf als eher störend, nervig oder gar aufdringlich aufgefasst. Viel lieber wird auf dem Touchscreen getippt, was das Zeug hält. Doch wie konnte es soweit kommen, dass das einst als so fortschrittlich geltende Telefonieren dermaßen ins Hintertreffen geraten konnte?

Die Vorteile der neuen „Tippkultur“

Zweifelsohne hat die weit verbreitete Devise „Tippen statt telefonieren“ ihre Ursachen. Und es gibt sogar einige gute Gründe, um eher zum Messenger als zum Telefonhörer, der heute auch nur noch aus einem Touchscreen-Symbol besteht, zu greifen. So kann der Adressat selbst entscheiden, wann er auf die Anfrage antworten möchte. Zudem lassen sich einfache Dinge tatsächlich mit einer kurzen Nachricht flotter klären. Wie schnell hat man sich am Telefon verquatscht und die Zeit vergessen!

Hinzu kommt, dass es die Möglichkeit gibt, die Textnachrichten mit lauter lustigen Smileys – den sogenannten Emojis – zu garnieren. Das sorgt für Kurzweil und Erheiterung. Außerdem lassen sich die Messages auch mit live aufgenommenen Bildern und Videos ergänzen – wozu ist es da also noch nötig, zu telefonieren?

Missverständnisse und Schwächung der Persönlichkeit

Doch es ist eben nicht alles Gold, das glänzt, in der schönen neuen Smartphone-Welt. Denn „Tippen statt telefonieren“ bringt leider auch einige massive Nachteile mit sich. Einer davon liegt praktisch auf der Hand und ihr habt es bestimmt alle schon mal erlebt. Da ihr beim chatten kein Gesicht vor Augen habt, keine Gestik und Mimik wahrnehmen könnt zusätzlich zu den getroffenen Aussagen, sind rasend schnell Missverständnisse entstanden. Zudem schlagen Kommunikationsforscher mittlerweile Alarm. Denn junge Menschen würden durch die ständige reine Tipperei irgendwann schlimmstenfalls sogar die Fähigkeit der verbalen Kommunikation verlernen. Dabei sei es gerade im Berufsleben unverzichtbar, Dinge auch mal von Angesicht zu Angesicht in einem Gespräch klären zu können.

Rolle rückwärts? Sprachnachrichten auf dem Vormarsch

Nun ist gerade aktuell eine Entwicklung zu beobachten, die ein wenig gegen den eigentlichen Trend zu laufen scheint. So versenden immer mehr Nutzer sogenannte Sprachnachrichten über ihr Smartphone. Auch das geschieht via Messenger und da diese Aufzeichnungen stets nacheinander hin und her geschickt werden, kann von einer flüssigen verbalen Kommunikation hier keine Rede sein.

Dennoch ist es doch erstaunlich, dass eine gewisse Sehnsucht, menschliche Stimmen zu hören, vorhanden zu sein scheint. Oder es überwiegt bei den Sprachnachrichten doch einfach der praktische Nutzen. Denn sie lassen sich wesentlich schneller einsprechen, als eine längere Textnachricht getippt ist, und haben dennoch den Vorteil, dass der Adressat zu jedem gewünschten Zeitpunkt darauf reagieren kann.

Am Ende gilt: Die richtige Mischung macht’s

Als Fazit lässt sich festhalten: Unsere Kommunikation war schon immer Wandlungsprozessen unterworfen und das wird auch in Zukunft so sein. Die technischen Möglichkeiten sind heute ganz andere als noch vor einigen Jahren – es kommt letztendlich aber immer noch auf den Menschen an, dass er diese auf eine vernünftige Art und Weise nutzt.

Das bedeutet auch, abzuwägen, wann eine Messenger-Nachricht mehr Sinn macht und wann ein kurzer Anruf vielleicht doch die bessere Wahl ist. Denn beide Varianten haben zweifellos ihre Vorzüge, aber eben auch negative Aspekte. Und vielleicht ist manches Mal so eine Sprachnachricht als Zwischending ebenfalls gar keine so schlechte Idee.

Gutes teilen

Über den Autor

Der Halbfinne liebt das Reisen, wobei er als regelrechter Smartphone-Junkie niemals auf sein Mobiltelefon verzichten möchte. Technische Innovationen interessieren ihn nicht zuletzt auch deshalb, weil sie das ortsunabhängige Arbeiten leichter machen.

Weitere Artikel von René Schwarz.

Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*

Ähnliches

zum Shop zum Shop