Handyticket – eine echte Alternative?

Neulich musste ich mal wieder in den schönen Ruhrpott und weil so sonniges Wetter war und meine Augen dank Heuschnupfen zu kleinen Schlitzen angeschwollen waren, beschloss ich mit der Bahn zu fahren. Eigentlich ist Bahn fahren ja eine angenehme Sache, vor allem wenn die Strecke so kurz ist wie von Köln nach Oberhausen. In Oberhausen nahm ich mir dann ein Taxi um auch pünktlich bei meinem Termin zu sein, was sich auf dem Rückweg jedoch als schwierig erwies.

Nach 10 Min. vergeblichem Wartens (inklusive Warteschleife beim Taxiunternehmen und das an einem Donnerstag um 17 Uhr!), beschloss ich der naheliegenden ÖPNV-Beschilderung zu folgen, die mir suggerierte, dass es „dort entlang“ zum OB-Bhf. ging. Ein kurzer Blick auf die Tafel, Abfahrt in 2 Minuten (ich war mir nicht mal sicher ob Bahn oder Bus, da auf der „normalen“ Straße ein Gleisbett lag), ein schneller Blick auf die Abfahrten, ob das Fahrzeug auch am Bahnhof hält und schnell zum Automaten. 2 Haltestellen – Kurzstrecke wird schon reichen – wow, nur 1,50 Euro, das ist aber günstig – und da ist auch schon der Bus. Ticket gezogen, reingesprungen und los geht’s.

Mit mir eingestiegen waren zwei Kontrolleure, was mich nicht weiter störte, hatte ich ja ein Ticket gezogen. „Darf ich bitte Ihren Fahrschein sehen?“ „Aber klar“, sagte ich und gab ihm lächelnd dem Kontrolleur. Er gab ihn zurück und wandte sich an weitere Fahrgäste. Kurze Zeit später kam der andere Kontrolleur jedoch zu mir (der zweite hinter ihm) und sagte: „Entschuldigung, darf ich Ihren Fahrausweis bitte nochmal sehen?“ „Ehm…, klar“, sagte ich diesmal leicht irritiert. „Sie haben ihren Fahrschein nicht abgestempelt, das stellt eine Ordnungswidrigkeit da und wird mit 40,- Euro Bußgeld bestraft, hätten Sie mal Ihren Ausweis für mich?“ WTF dachte ich nur.

Langer Rede, kurzer Sinn, alles Augenklimpern und erklären half nichts, 40 Euro waren also fällig – so viel zum günstigen ÖPNV-Tarif im Ruhrpott. Den ganzen Weg bis nach Köln hab ich mich also über meine Dummheit, aber auch die Intoleranz der Kontrolleure geärgert „wir müssen alle gleich behandeln – auch Kölner“, zumindest den Spruch hätte man sich klemmen können.

Gibt es eine Alternative zum Papierticket?

Am Bahnhof (ja, am Bahnhof und nicht etwa im Zug, denn der hatte dann doch tatsächlich 25 Minuten Verspätung!), habe ich dann überlegt, ob es keine einfachere Möglichkeit gibt durch den ÖPNV-Tarif und Ticketdschungel zu kommen. Gestoßen bin ich dann auf das HandyTicket. Die Seite suggeriert, dass sich dein Handy in deinen persönlichen Fahrkartenautomaten verwandelt und du so weder unter Zeitdruck gerätst, noch nach Kleingeld suchen musst oder am Automat warten musst, während dein Zug schon ohne dich abfährt – alles papierlos – klingt erstmal gut, aber wo gilt das HandyTicket überhaupt?

HandyTicket Gebiet Aachen (AVV)
Augsburg (AVV)
Berlin (VBB)
Bielefeld (moBiel)
Chemnitz (VMS)
Dresden (VVO)
Freiburg (Breisgau) (RVF)
Hamburg (HVV)
Hegau-Bodensee (VHB)
Mittelthüringen (VMT)
Münster (VGM)
Nürnberg (VGN)
Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON)
Pforzheim (VPE)
Rhein-Ruhr (VRR)
Rhein-Sieg (VRS) [Na prima, Rhein-Ruhr – die 40 Euro hätte ich mir also eindeutig sparen können…]
Stuttgart (VVS)
Südbaden (fanta5)
Ulm (DING)
Vogtland (VVV)

Wie bezahle ich mein HandyTicket? Wähle aus drei Möglichkeiten:

Per Lastschrift – bei der Anmeldung einfach Kontodaten angeben und der Einzug erfolgt automatisch

Per Kreditkarte – bei der Anmeldung einfach Kreditkartendaten hinterlegen und die Abbuchung erfolgt automatisch

Per Prepaid-Konto – einfach Guthaben aufladen und aufbrauchen (Guthabenstand kann im Kundenbereich eingesehen werden)

Wie löse ich ein HandyTicket?

Zunächst wählt man die Nahverkehrsregion, in der man aller voraussicht nach das HandyTicket am häufigsten nutzen möchte – bei mir wäre das also Köln und somit der Verkehrsverbund-Rhein-Sieg. Dort meldet man sich dann und registriert Daten wie Name, Adresse, gewünschte Bezahlart und Kontrollmedium. Dann erhält man eine HandyTicket-PIN per SMS zugesendet, die man ab sofort zum Fahrkartenkauf und zum Login fur das Kundenportal benötigt. (Für den Fall, dass man mit unterschiedlichen Handys Tickets für Bus und Bahn bestellen möchten, ist für jedes Handy eine gesonderte Registrierung notwendig.)

Nun besucht man entweder den Google Play Store für Android-User oder den App Store für iPhone User – sorry Windows-User, ihr müsst das Ganze über den Browser lösen :-/ und lädt sich die HandyTicketApp runter. Im Anschluss aus der App registrieren und das Ticket für die gewünschte Strecke kaufen.

Das Ganze klingt ein wenig kompliziert, ist aber, wenn man das Ganze vor Augen hat, gar nicht so schwer und ziemlich selbsterklärend. Ich habe inzwischen den Selbsttest für Köln gemacht (unbedingt das Ticket vorm Betreten der Bahn kaufen, da dies sonst als schwarzfahren gewertet wird!) und muss sagen – easy 🙂 Ich gehöre aber auch zu den Menschen die lieber eine virtuelle Bordkarte nutzen als eine aus Papier.

Ich bin gespannt, wie das Ganze funktioniert, wenn ich in einer anderen Stadt bin, aber auf den ersten Blick hat mich die App auf jeden Fall positiv überrascht!

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